Sonntag, 27. März 2022

What about... Pink?

Sonntagnachmittag, Sonnenschein, eine entspannte E-Bike Tour mit meinem Mann😍... und ein kleines Mädchen mit rosa Fahrrad....
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Aber von vorn... Nach vielen super relaxten Kilometern, knuffigem Damwild und einem Eiskaffee sahen wir sie auf einem Spazierweg im Wald: ein etwa fünf Jahre altes Mädchen mit einem rosa Fahrrad, rosa Kleidung, langen Haaren und einem rosa Helm. Sie hatte ganz schön zu tun, geradeaus zu fahren. Was mir aber bei dem Ganzen am meisten in Erinnerung blieb: Sie hatte hinten auf ihrem Fahrrad einen Kindersitz mit einer Puppe. Es wirkte alles etwas angestrengt, die Puppe hing völlig schief in ihrem kleinen Sitz und das Mädchen kämpfte deutlich, das Gefährt am Fahren zu halten.
Und in mir kam die Frage auf: Wie kam sie darauf, die Puppe herum zu fahren? Wollte sie das? Wollte sie alles in rosa? Hatte sie eine Wahl, als sie im Baby- und Kleinkindalter war, mit was sie spielen möchte und was sie tragen möchte? Was wird ihr in Bezug auf Liebe und Beziehungen vermittelt?
Wurde ihr, seit sie geboren wurde, vermittelt, dass Mädchen rosa tragen, mit Puppen spielen, irgendwann einen Mann kennenlernen, diesen Heiraten und Kinder kriegen?

Ich würde gerne glauben, dass dieser kleine Mensch sich das selbst aussuchen durfte. Ja, vielleicht sogar vom biologischen Geschlecht her kein Mädchen ist und die Eltern so offen waren, ihrem Kind den nötigen Entscheidungsspielraum in Sachen Kleidung, Haare und Spielzeug zu lassen. Dass ihr/ihm vermittelt wird, dass es egal ist, wen er/sie liebt, solange sie glücklich ist.

Nur erfahrungsgemäß ist die Wahrscheinlichkeit dafür (gerade im ländlichen Bereich) nicht groß. Woran ich dabei manchmal denken muss: Als ich etwa 12 war, habe ich Wäsche aufgehängt. Die Socken warf ich in keiner Reihenfolge, irgendwie über die Leine und klemmte sie fest. Meine Oma (miss you) sagte: " Du musst die Socken paarweise ordnen, in eine Richtung auf die Leine hängen und die Klammern bei jeder Socke gleich drauf stecken. Schließlich willst du doch mal ne gute Hausfrau werden...". So war das Bild damals. Jedes Mal, wenn ich seitdem die Socken einfach lose im Wäschekorb auslege, damit sie trocken, erinnere ich mich daran. Aber was soll's: ich will ja auch keine gute Hausfrau werden 😉.
Aber um ehrlich zu sein, hatte ich mit meinen Freundinnen dennoch oft das Thema, was mit mir nicht stimmt, dass ich im Haushalt und der Ordnung so ... sagen wir: "unkonventionell" bin. Meine Freundinnen sind da zum Glück wie ich.
Jedenfalls bin ich auch heute immer wieder erstaunt, wie Heteronormativität (Link) immer noch von Klein auf vermittelt wird. Bevor jetzt wieder Gerüchte über mich die Runde machen: ich fühle mich immer noch als Frau und bin heterosexuell. Und frage mich dennoch, warum ich das hier richtigstelle, denn die Anzahl der Menschen, die das angeht ist eigentlich recht überschaubar. Und egal, als was ich mich sehen würde und wen ich lieben würde, ich wäre derselbe wertvolle Mensch.

Aber?/ Trotzdem?/ Und? ... frage ich mich beim oben erwähnten Bild des Kindes in rosa:
Was, wenn das kleine Wesen in ein paar Jahren feststellt, dass es in dieses Konstrukt nicht passt? Wenn es feststellt, dass es Frauen liebt. Oder Menschen, unabhängig davon, welches Geschlecht die Personen haben? Wenn es feststellt, dass es keine Kinder möchte. Oder einfach nur feststellt, dass es keinen Bock auf rosa Sachen und lange Haare hat?
Oder was, wenn sie mit ihrem Partner/ ihrer Partnerin/ ihren Partnern ein Kind bekommt, aber nicht diejenige sein will, die in ein Jahr Elternzeit und danach in Teilzeit geht?
Wie viel Scham und Schuldgefühle, "anders" zu sein trichtern die "Gesellschaft" und "die Medien" uns und unseren nachfolgenden Generationen bewusst oder unbewusst ein? Wie viele innere Kämpfe müssen viele Menschen kämpfen, um gegen das Gefühl "Was tun Teufel stimmt nicht mit mir?" anzugehen und sich zu trauen, die Art und Weise, wie sie Leben und Lieben wollen, ihrem Umfeld mitzuteilen?
In einem sehr schönen Podcast habe ich die Aussage gehört "Outen musste ich mich nie. ich habe einfach meiner Familie gesagt, dass ich mit ... zusammen bin und glücklich bin. Und da war meine Familie auch glücklich. " . Ob der kleine Mensch mit dem rosa Fahrrad das sagen kann, wenn es ihr/ ihm danach ist? Ich hoffe es. ❤️

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