Sonntag, 21. August 2016

IN YOUR FACE, VOLLPFOSTEN... Es geht nicht ums Gewicht.

Herz BrezelDer Blogpost von Rennschnecke hat mich sehr mitgenommen und traurig gemacht. Sie wurde bei einem Triathlon von einem Zuschauer unter anderem als "fette Sau" bezeichnet.  Ich war geschockt, als ich das gelesen habe. 





Mir ist mir völlig unverständlich, wie es erwachsene Menschen hinbekommen, sich 
dermaßen unmenschlich (ja, genau das ist es in meinen Augen) zu benehmen.  Es geht dabei nicht um das Gewicht,  die Figur, die Schnelligkeit.  So etwas findet leider viel zu oft und in allen Bereichen des Lebens statt. Jeder von uns ist anders, eigen, fällt in irgendeinem Aspekt aus dem Rahmen (welcher Rahmen überhaupt?). 
Also was genau bringt Menschen dazu, so über andere herzufallen? Persönliche Probleme? Neid? Geltungsbedürfniss? 

Sonnenuntergang LaufenIch kann das Gefühl, was so etwas in einen auslöst ganz gut nachvollziehen. 
Verbringt mal die Schulzeit in der Kleinstadt, wenn ihr ohnehin schüchtern und unsportlich seid, rote Haare und einen seltenen Vornamen habt. Und dann in der Pubertät noch ein paar weibliche Rundungen kriegen....
Das macht Freude! Nicht!






Wettkämpfe und ich....


LandschaftIch bin bei Laufveranstaltungen eine der breiteren. Und beim Anblick der Beine anderer Läuferinnen frage ich mich regelmäßig, warum ich überhaupt hier bin.  Wenn ich anderen gegenüber erwähne, dass ich Marathon laufe, werde ich immer mehr oder weniger unauffällig von oben bis unten gemustert und mir dann mitgeteilt, dass ich gar nicht so aussehe. Auf Nachfrage, wie das gemeint  war (ja, einige wenige Male habe ich mich zu Nachfragen hinreißen lassen) kamen stets ausweichende Antworten. Und der Kopf bastelt sich seine Antworten selbst zurecht, egal, wie das Gegenüber es gemeint hat.
Vielleicht wird man auch sehr feinfühlig. Nach zu vielen blöden Sprüchen in der Schule hat man das eben sehr verinnerlicht. 
Ein kleiner Tipp an Sportlehrer oder Eltern, die ihren Kindern etwas mit auf den Weg geben wollen: manche Sprüche, die man Kindern an den Kopf haut, schleppen diese auch 20 Jahre und einige Marathons und Ultras später noch mit sich herum. Es veränder einen. Es macht unsicher, scheu und misstrauisch. Und jede neue Erfahrung mit ignoranten Vollpfosten gießt Öl ins Feuer.

Einzelfälle? Leider nicht.


Ich finde es ziemlich krass, wie viele Menschen ähnliches erlebt haben und erleben. Wenn man schon liest, dass fast jeder 5. Jugendliche schon einmal Opfer von Cybermobbing war, lässt das schon traurige Schlüsse auf unsere Gesellschaft zu. 
Ich habe leider kein Patentrezepte gefunden, wenn, wäre  für viele von uns vieles leichter. Immer wieder höre ich, ich solle mir ein dickeres Fell wachsen lassen.
Ein dickes Fell wachsen lassen? Warum? Warum müssen wir unsere Gefühle einpanzern, nur weil es  so viele nicht hinkriegen, sich halbwegs höflich zu benehmen?
In einer Reportage über Schulen in Schweden wurde mal gesagt, dass dort ein Grundleitsatz für's Zusammenleben "Don't hurt each others feelings"  - "Verletzt nicht die Gefühle von einander" ist.  Ich glaube, in Deutschland würden solche Leitsätze jedem, egal in welchem Alter, verdammt gut tun.

Take Home Message?


Herz Brezel Laufen Aber egal, welche Volldeppen einem über den Weg laufen oder gelaufen sind:  
Wir müssen versuchen, auf die guten Menschen mehr zu schauen, als auf die Deppen. 
Also schaut auf die, die auch bei miesem Wetter jubelnd an der Strecke stehen. Die, die sich bei der Organisation kleiner Laufveranstaltungen so viel Mühe für jeden von uns geben und mit einem echten Lächeln die Startunterlagen ausgeben.
Leider ist das nicht immer leicht und die negativen Erfahrenen sind meist einfach zu groß.  Aber ich bin mir sicher: am Ende gibt es mehr Gute. Ganz sicher.