Sonntag, 3. Juli 2016

der Saxoprint Sachsentrail Halftrail 2016...Eigentlich steh ich nicht auf Schmerzen...

StreckeGestern fand der Saxoprint Sachsentrail in Rabenberg nahe Breitenbrunn im Erzgebirge statt. Auf vielen verschiedenen Strecken durften wir unser Trail-Können auf den Strecken des Trailcenters Rabenberg, die eigentlich den Mountainbikefahrern vorbehalten sind, zeigen.
Ich habe mich am 34,4 Km langem Halftrail versucht. Und werde es wohl nie vergessen...
Für mich als Trailneuling war es eine ganz andere Art des Laufens. Ich bin begeistert.





  • Datum: 02.07.2016
  • Streckenlänge: 19 Km, 34,4 Km, 70,3 Km und Kinderläufe
  • Streckenbeschaffenheit: Singletrails, Waldweg, etwa 2 Km Asphalt 
  • Anzahl der teilnehmenden Sportler: gut 720  insgesamt
  • Würde ich nochmal teilnehmen? mit besserer Vorbereitung klar!
  • Weitere Infos: http://www.sachsentrail.de/

Wie kommt man darauf?


Saxoprint Sachsentrail 2016 EquipmentIch wohne nicht weit von hier und kenne den Sportpark Rabenberg. Daher stand diese Veranstaltung schon eine Weile auf meiner Liste. Nachdem ich im Mai den Rennsteiglauf-Supermarathon gelaufen war, wollte ich mich jetzt auf einer anspruchsvolleren Strecke messen. Trailerfahrungen hatte ich bis dahin nur begrenzt von einigen Crossläufen bis 13 Km Länge. Ich konnte also nicht recht einschätzen, was auf mich zu kam, obwohl ich die Region gut kenne. Nach 3 Wochen vorangegangener Erkältung war ich nicht gerade auf dem Höhepunkt meiner diesjährigen Leistungsfähigkeit. Manchmal muss man eben etwas wagen.

Ab gehts.... der Saxoprint Sachsentrail Halftrail 2016


Saxoprint Sachsentrail 2016 Am Samstag Vormittag fiel um 11:15 der Startschuss. Es hatte schon begonnen zu regnen, aber es war nicht kalt. Vor dem Start traf ich noch kurz Hannah und Carsten von http://www.null8null8.de . Hannah würde auch die 34,4 km lange Strecke mit 900 Höhenmetern laufen und war genau so aufgeregt wie ich.
  
Saxoprint Sachsentrail 2016 Strecke
Es ging los in einer kleinen Schleife einen Hügel hinauf. Danach ging es bergab und ich merkte, was Traillaufen wohl heißt. Ein steiler, mit Wurzeln und Steinen übersäter Singletrail schlängelte sich auf 4 Km bei gut 250 Höhenmetern Differenz bergab. Ein Läufer nach dem anderen hoppelten wir bergab. 





Und ich fiel. Warum weiß ich nicht mehr so recht, einmal in eine Brennnessel, einmal auf einen Stein. Danach sah ich an Knien und Armen etwas gezeichnet aus. Andere Läufer waren sofort hilfsbereit zur Stelle, ich glaube der zweite Sturz sah schlimm aus. 
Mit dem Gesicht voran in Richtung eines Steins... so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich war am Überlegen, aufzuhören. Nicht wegen der Schmerzen, sondern aus Angst vor weiteren Stürzen. 

Saxoprint Sachsentrail 2016 Halftrail

Ganz unten angekommen


Im Tal in Erlabrunn angekommen war die erste Verpflegungstation. Ich machte eine kurze Bestandsaufnahme: keine ernsthaften Verletzungen, einige Kratzer und viel Dreck. So lief ich weiter im Schwarzwassertal hinauf Richtung Johanngeorgenstadt, stetig leicht bergauf. Im Wald angekommen ging es auf einem ziemlich aufgeweichten Weg weiter über einige querliegende Bäume. 

Wir liefen weiter bergauf Richtung Neuoberhaus, wo früher eine kleine Siedlung mit einer Berufsschule war. Heute ist hier nur noch maximal eine Baumschule zu sehen. 
Auf dem Weg in diese Richtung (natürlich immer bergauf) standen meine Eltern das erste Mal im Wald. Etwas moralisch aufgebaut ging es auf Singletrails Richtung des 2. Verpflegungspunktes. Ich lief gerade auf eine kleine Lichtung, da gab es einen fiesen Stich im rechten Oberschenkel. Ich sah die Wespe da sitzen und dachte... geht ja super weiter.
Es zwickte bein weiterlaufen schon ordentlich. 


Saxoprint Sachsentrail 2016

Der Graben ....


Nach dem 2. Verpflegungspunkt ging es in den Grenzgraben (Grenze nach Tschechien). Und "Graben"  ist genau die 
richtige Bezeichnung. Man konnte keine 2 Füße nebeneinander setzen, so schmal war es. Und ständig wurde man von der Vegetation ausgepeitscht (wer's mag....). 


Ein ganzes Stück weiter bergauf nach dem 3. Verpflegungspunkt ging es plötzlich steil bergab, teilweise auf nassem Asphalt. Hier stach mich die 2. Wespe. Durch den Kompressionsstrumpf hindurch. Die Sau. Direkt aufs Schienbein.
Am Ende des Berges standen meine Eltern wieder und lenkten mich von meinem pochenden Beinchen ab.


Saxoprint Sachsentrail 2016 Danach ging es wieder straight den Berg nach oben auf kleinen Serpentinen. Und ich fiel das 3. Mal. Geradeaus voll in den Schlamm. Aber mittlerweile machte mir das nichts aus. Ich wurde schnell aufgehoben (Danke :) ) und weiter ging es. Am Verpflegungspunkt 4 war ein Großteil der Anspannung weg. Es würde jetzt überwiegend bergab gehen, mit Ausnahme des letzten Anstiegs (das Biest). 


So ging es bergab auf schönen Singletrails. Ich fand immer wieder, dass es das spannendste Laufen ist, was ich jemals hatte. Anspruchsvoll, kräftezehrend und an-die-Grenzen-bringend, aber einfach so befreiend.
Nach dem 5. Verpflegungspunkt, bei dem ich durchlief (Trinkrucksack sei Dank), ging es etwa 1 Km auf Asphalt, bevor es mit einer kurzen Unterbrechung ständig bergauf Richtung Ziel ging.  Mein Ziel, unter 4 Stunden ins Ziel zu kommen, war noch knapp schaffbar. Aber die Luft war raus. Meine Oberschenkel standen konstant kurz vor einem Krampf und mein Unterarm brannte vom Schweiß.
Ich wanderte den Berg nach oben und es war ein wirklich fieser Berg. Einer von der Sorte, bei der man die ganze Zeit sieht, wie steil es weitergeht.
Ich kam auf der Ebene oben an, wo mein Mann schon im Publikum stand. Ich schleppte mich im Regen ins Ziel und war froh, es geschafft zu haben. Ich hatte die Strecke völlig unterschätzt, nicht die Distanz, sondern die Beschaffenheit. Ich wäre gern unter den 4 h geblieben, aber mit knapp 4h 08min bin ich mehr als zufrieden und Hannah kam gleich nach mir ins Ziel. 


Nach einer heißen Dusche und einer Portion Nudeln war ich wieder etwas aufgebaut. Erst jetzt werde ich von dem fiesestem Muskelkater ever gebeutelt.


Was bleibt?


Salomon Speedcross 3 Saxoprint Sachsentrail 2016 Ich habe gestern sehr viel über mich gelernt. Darüber, dass man Traillaufen nicht mit Straßenläufen vergleichen kann. Darüber, dass eine Erkältung länger nachwirkt, als man denkt. Und viel über die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft von Läufern.
Obwohl ich während des Laufes dachte, ich würde bei dieser Veranstaltung nie wieder starten, bin ich nächstes Jahr sicher wieder dabei. Vielleicht mit weniger Stürzen, das wäre toll. 

Einen weiteren tollen Laufbericht zum Quartertrail findet ihr auf
http://earnyourbacon.com/de/deutsch-sachsentrail-2016-wasp-woman-on-the-run/
Ebenso mit einem Wespenerlebnis ;)