Samstag, 9. Juli 2016

Love yourself... Oder: ein toter Läufer ist ein schlechter Läufer

Katze schläftWenn ich mich in meiner Twitter Timeline umschaue, sind leider immer sehr viele von Laufverletzungen, Erkältungen und ähnlichem betroffen, was es einem (mit der nötigen Vernunft) unmöglich macht, unser Lauftraining weiter fortzuführen. 
Was dadurch entsteht ist meist schlechte Laune, Unzufriedenheit und ein Gemütszustand, der es allen beteiligten, nicht zuletzt einem selbst, sehr schwer macht irgend etwas positives am normalen Tagesablauf zu finden.
Wie geht man am besten damit um?




Auch ich kann mich da nicht herausnehmen. Ich war gut 3 Wochen lang heftig erkältet, war jede Nacht am Husten und an Laufen war einfach nicht zu denken. Und das, obwohl der Rennsteig Staffellauf vor der Tür stand, der erste Lauf, an dem ich je in einer Staffel laufen wollte.

Was machte ich also? Zu aller erst ging ich weiterhin arbeiten. Ob das jetzt schlau war oder nicht sei mal so dahin gestellt. Meiner Meinung nach hat es die Erkältung unnötig in die Länge gezogen. 
Pizza vegetarischAber ich versuchte, das erste Mal bei einer Erkältung überhaupt, irgendwie das Beste daraus zu machen. 
Ich traf Freunde, 
ging gut essen, 
arbeitete am Blog 
und schlief viel. 
Alles Dinge, die man sich sonst, wenn man im vollen Trainingszirkus steckt, viel zu selten gönnt. Ich kam endlich mal dazu, Filme zu schauen, die ich ewig sehen wollte und nie so recht dazu gekommen war.
Und ich dachte viel nach. Über das, was wir als Läufer als halben Weltuntergang sehen und das, was es eigentlich ist: eine Erkältung, ein gebrochener Fuss, ein Muskelfaserriss und was es sonst so ist.
Schon klar, das kann man alles nicht miteinander vergleichen. Aber dennoch, wenn wir ehrlich sind, hat das alles eins gemeinsam: 
Es wird uns nicht umbringen.
Nicht mal ansatzweise. Ebenso wenig, wie uns irgendwelcher Kleinscheiß, der uns auf Arbeit annervt, umbringen wird. Oft genug steigert man sich in Probleme hinein, die bei genügend Abstand nur Lappalien sind. Nichts, an was wir uns in 5 Jahren noch erinnern werden.

Ich verstehe die Unzufriedenheit, die damit einher geht, dass man das nicht tun kann, was 
man am liebsten tut. Das Gefühl, wie ein Tiger im Käfig zu sein und das Ohnmachtsgefühl, denn man kann eben nicht viel daran ändern.
Nur bei alle dem sollten wir uns einfach mal zwingen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. 

Enten im TeichDa gibt es Menschen, mit echten gesundheitlichen Problemen. Menschen, die vielleicht auch gern Sport gemacht haben, und die jetzt schon froh sind, wenn sie an einem Tag mal eine Schmerztablette weniger brauchen und halbwegs schmerzarm schlafen können.
Andere, die vielleicht aus dem Nichts heraus eine Diagnose an den Kopf geschmettert bekommen haben, die das ganze bisherige Leben über den Haufen wirft und bei denen es wirklich nur um's Überleben geht.
Diese Menschen würden wahrscheinlich nichts lieber tun, als mit euch zu tauschen.



Vielleicht kriegen wir es in Zukunft, trotz kleinerer Verletzungen, etwas besser hin, uns auf das zu konzentrieren, was im Leben, meiner Meinung nach, an erster Stelle stehen sollte:
die Menschen, die uns am Herzen liegen (das sollte auch uns selbst idealerweise mit einschließen). 
Sport ist großartig, bereichernd und ein wichtiger Teil in unserem Leben. Aber Sport ist nicht alles.
Ich habe es leider schon erlebt, wie schnell man sich von allen und allem isoliert um den eigenen Sport voran zu bringen und wie ein kleiner gesundheitlicher Rückschlag am gesamten Umfeld ausgelassen wurde. Ich habe mir vorgenommen, es bei mir selbst niemals so weit kommen zu lassen.

Sei gut zu dir selbst



Eine andere Sache, die mir wichtig ist, gerade bei Erkältungen: Immer wieder höre und lese
Ingwer Tee
ich von Läufern, die trotz Erkältung laufen oder sogar Wettkämpfe laufen. Und ich verstehe, dass man sich oft recht unbesiegbar fühlt und sich nicht von so etwas lapidarem wie einer Erkältung aus der sportlichen Bahn werfen lässt.
Aber bitte, wenn ihr es schon nicht für euch, dann zumindest für eure Lieben tut: Lasst es!
In meinem direkten Umfeld habe ich gesehen, wie ein fitter, sportlicher Mensch von einer verschleppten Grippe eine Herzmuskelentzündung bekommen hat. Zum Glück war es 'nur' mit einigen Monaten Krankheit und Reha verbunden und es blieb zum Glück nichts über. 

Ein Freund von mir hat daran einen guten Freund verloren. Jung, Läufer und unbelehrbar weiter gelaufen trotz Erkältung. Dann eben morgens nicht mehr aufgewacht.
Ich weiß sehr wohl, dass dies nicht jeden trifft, der trotz Erkältung läuft. 
Aber willst du das wirklich riskieren? Der Sensenmann schreibt dir sicher keine WhatsApp um dich vorzuwarnen.
Und Trainingseffekt hat es ohnehin nicht, wenn du deinen mit der Erkältung beschäftigten Körper noch mit Training gängelst. Also geh zum Arzt und hör auch auf ihn.


Was ich gelernt habe


Nach einigen guten Gesprächen habe ich mir also vorgenommen, mir die eigenen Prioritäten ins Gedächtnis zu rufen. Öfters als sonst, und gerade in Momenten, in denen man, wenn man mal ehrlich ist, keine lebensbedrohlichen Probleme hat und trotzdem unzufrieden ist. 
Den meisten von uns geht es verdammt gut, auch, wenn wir eben gerade nicht laufen können.


Was also habe ich mit dem Rennsteig Staffellauf gemacht?



Laufstrecke Wald
Nach Langem hin und her überlegen, sagte ich meine Teilnahme an der Staffel ab, es wäre im Nachhinein auch nicht gegangen. Ich hatte ein super schlechtes Gewissen, weil ich erst zugesagt hatte und auch die längste Teilstrecke laufen wollte und es dann nicht konnte. 
Zum Glück wurde ein Ersatz gefunden. Aber das fahle Gefühl blieb irgendwie. Ich weiß nicht recht, ob ich nochmal mich für eine Staffel melden werde. Ich hatte das Gefühl, zu viele enttäuscht zu habe.

Letztes Wochenende lief ich dann den Halftrail beim Saxoprint Sachsentrail. Es lief ganz ok, 
aber hätte ohne die Erkältung vorher doch deutlich besser laufen können. 
Aber wisst ihr was? 
Ich hatte schon lange kein solches Hochgefühl nach einem mittellangem (34,4 Km) Lauf mehr gehabt. 
Das lang zum Teil an der Strecke, zum Teil auch daran, dass ich das Laufen so richtig zu schätzen gelernt habe.

In diesem Sinne: Passt auf euch auf!