Samstag, 3. Oktober 2015

Unglaublich schön.... mein BMW Berlin Marathon 2015

The blue line
Also ich im letzten Jahr von meinem ersten Marathon, dem Dresden Marathon, völlig geflasht war, meldete ich mich für die Verlosung der Startplätze für Berlin an. Ich hatte einige Wochen vorher die Fernsehübertragung gesehen und dachte mir, wenn es sein soll, soll es eben sein ...
und wie sich zeigte, sollte es sein. ;)
Das führte zu leichten Schweißausbrüchen, denn 9 Monate vorher zu wissen, dass man diesen Marathon laufen wird, schürt ganz schön große Erwartungen.




Auf geht's nach Berlin...


Ballon auf der Marathonmesse in Tempelhof
Ballon auf der Marathonmesse in Tempelhof
Wir machten uns am Freitag Mittag auf den Weg nach Berlin. Die Anreise lief, wider Erwarten, bis auf kleinere Staus problemlos. Nach dem Einchecken im Hotel fuhren wir auf die Messe und ich holte meine Startunterlagen ab. So viele Menschen dort! Aber es ging gut und schnell und ich hatte bald alles in der Hand, was ich brauchte.








Sonnenuntergang im Zielbereich
Sonnenuntergang im Zielbereich
Wir verbrachten den Abend in Friedrichshain bei einem köstlichen Abendessen und ließen diesen Spätsommertag ausklingen. 
Samstag schaute ich mich nach einem relaxten Frühstück im Hotel etwas auf der Messe um und traf mich später mit meinem Mann zum shoppen. Frau halt! ;)
Nach einem kurzen 3 Km Einlaufen mit Blick auf das Brandenburger Tor und steigender Vorfreude, gingen wir noch gut 
Essen und ich versuchte, möglichst früh schlafen zu gehen...





Schon ist der große Tag da...


Sonnenaufgang in Berlin
Sonnenaufgang in Berlin
Wider erwarten schlief ich ganz gut, was vielleicht auch am Glas Wein des Vorabends lag. In jedem Fall schälte ich mich kurz vor 6 aus dem Bett, zog mich an und ging zum Frühstück. Meine bessere Hälfte lies ich weiterschlafen. 
Der Frühstücksraum war recht voll, natürlich voll mit Läufern. Ich setzte mich an einen leeren Tisch, mampfte meine 2 Brötchen mit Marmelade in mich hinein und schlürfte dazu Kaffee. Nach einiger Zeit setzten sich 2 andere Läufer mit an meinen Tisch, beide so um die Mitte 20. Als ich etwas bezüglich der Kleiderabgabe beim Lauf fragte, dachte ich, andere "im selben Alter" zu Duzen sei ok in diesem Fall. Dachte einer der beiden irgendwie scheinbar nicht und Siezte mich zurück. 
Ich weiß nicht, ob es aus übertrieben anerzogener Höflichkeit oder wegen meines Alters war. 
Das war in jedem Falle der Zeitpunkt, wo ich mir versprach:
  1. ich werde nicht mehr ungeschminkt Frühstücken gehen
  2. mit 30 ist man keine 25
  3. ich renne den coolen Kids jetzt einfach 42 Km unbarmherzig davon ;)
Also machte ich mich wieder ins Zimmer, ordnete mein Gefieder, entschied mich gegen den Kleiderbeutel (es war nur gut 1 km bis zum Start) und machte mich, bewaffnet mit meiner Uhr und meinem ordentlich mit Gel bestückten Laufgürtel, um 7:30 auf den Weg zum Start.
Über den Potsdamer Platz hinweg wurde es immer voller, bis man sich nur noch vorwärts schieben konnte. Irgendwann kam ich am Einlass für den Startbereich an. Nochmal kurz durchgeatmet....
Und los ging es. Von einer Fotografin schnell in einem Bild festgehalten (ich sah noch nie so gut auf einem Bild bei einem Wettkampf aus!) und schon war ich auf dem Weg Richtung Klo. Die Schlange vor den Dixies war, wie erwartet, etwas länger.
Ich stand eine halbe Stunde an, und nicht nur der Start rückte immer näher, auch meine Blase nervte mich langsam etwas. Ich überlegte kurz, mir ein Loch im Boden zu scharren, doch verwarf diesen Gedanken bald... wäre doch komisch gekommen.
Als ich letztendlich dann doch zum Zug kam, war ich extremst befreit, und machte mich danach auf den Weg in Startblock G. Dort kämpfte ich mich etwas vor, bis ich schon die Ballons der 3:45 Zugläufer sehen konnte. Ich war so freudig wie noch nie. Ich wollte einfach laufen, mit diesen ganzen Menschen in dieser ganz besonderen Stadt.
Ich unterhielt mich etwas mit Läufern aus Australien und stellte immer mehr fest, an was für einer großen Sache ich in diesem Moment teilnahm.

Da fiel der Schuss...


Die blaue Linie
Die blaue Linie - die Ideallinie

Die ersten Läufer starteten und langsam ging es schrittchenweise nach vorn. Ganz anders, als bei meinen vorherigen Wettkämpfen. Als wir uns über die Startlinie schoben, war ich nicht so aufgeregt, zumindest nicht in dem Sinne, dass mir das Herz bis zum Hals schlug, wie sonst. Ich weiß nicht warum, aber ich war einfach zuversichtlich und froh, gesund hier und jetzt anwesend zu sein.
Ich brauchte etwas, um in meine Geschwindigkeit rein zu kommen. 5:20 wollte ich am 
liebsten halten, zumindest unter 5:40, um sicher unter 4 Stunden zu bleiben. Dies gelang mir mehr oder weniger gut. Vom Körper her ja, von den vielen Menschen her eher schlecht. 


Sehenswürdigkeiten Berlins
Berlin ganz kulturell
Was ich jedoch noch nie bei einem Lauf hatte: die Zeit verging so schnell. Ich empfand den Marathon als große Party, auf der man eben läuft. Das Publikum war super, es gab viele Bands und Musikgruppen und man war einfach nie allein und kam auch nur auf die Idee, sich gehen zu lassen.
Die Strecke führte eine schöne Runde durch Berlin mit einer Vielfalt an verschiedenen Häusern und völlig unterschiedlichem Publikum. 
Ich sah die touristenreiche Gegend um den Tiergarten, das multikulti Publikum mit einer orientalischen Band in Kreuzberg, die Plattenbauten in Neukölln und die Botschaften in Berlin Wilmersdorf, wo es etwas ruhiger wurde vom Publikum her.
Gerade an Km 30 war das der Teil der Strecke, der mir vom Kopf her am schwersten gefallen ist. Eine lange, etwas öde Straße in Berlin Wilmersdorf, wenig Publikum und schon einige Kilometer in den Beinen.
Irgendwann kam ich an der Band vorbei, die wunderschön One von U2 spielte. Traf mich sehr, zudem ich ab Km 30 bis jetzt bei jedem Lauf etwas nachdenklich und traurig wurde.
Also lief ich dann, völlig vom Laufen an sich abgelenkt und mit Tränchen in den Augen weiter. Ein Läufer neben mir sah mich etwas erschrocken an. 
Aber da ich jetzt etwas schneller lief, so 5:15, war sicher deutlich, dass ich nicht wegen meiner Beine flennte.
Keine Sorge, nach 2 weiteren Km war es dann wieder ok. Ich lächelte wieder, wie den größten Teil der Strecke schon, und es ging Richtung Kurfürstendamm. Dort w
ar die Stimmung der absolute Hammer. 
Auf meiner Uhr hatte ich noch etwas über einer Stunde Zeit für 10 Km. Das würde klappen! 
So viele Menschen, so eine super Stimmung. Ich wurde förmlich Richtung Potsdamer Platz getragen.

Plakat Berlin Marathon
So kann man's auch sehen
Als ich ein Plakat sah, dass ich schon auf unserer Hinfahrt gesehen hatte, wusste ich auch wieder, wo ich bin und in dem Moment hörte ich die Stimme meiner Mannes, der mich anfeuerte. Ich freute mich so sehr! Leider sah ich ihn durch die vielen Menschen nicht.
Ich lief über den Potsdamer Platz, an unserem Hotel vorbei und es waren nur noch 2 Km. Ich wagte einen Blick auf die andere Datenseite meiner Uhr, um zu sehen, wie viel Zeit ich noch bis zu der 4 Stunden Marke hatte. Es war genügend und mir ging es gut. Sehr gut für die bereits gelaufenen Km.
Also zog ich etwas an. Vorsichtig genug, um nicht wieder, wie ich es in Karlovy Vary hatte, an die Kotzgrenze zu kommen. Aber eben so viel, wie es bei mir noch ging. Ich lief, kam auf die Zielstraße und sah das Brandenburger Tor. Ich wusste ja, dass das Ziel noch einige 100 m danach war. Aber das war absehbar. 
Ich strahlte und jubelte in die Kameras, die Anstrengung und Anspannung fiel von mir ab, und ich lief weiter und ins Ziel. Kurz danach stoppte ich meine Uhr: 3:50:02 stand drauf. 

Geschafft! Und jetzt?


Ich war super glücklich. Später sah ich dann, dass die Nettozeit sogar knapp unter 3:50 war. Ich war so baff, dass ich mich erstmal an der Seitenbande niederließ und mich wieder fassen musste. Ich hatte so lange auf diesen Moment hingefiebert. Ich hätte mir vor einigen Jahren noch niemals träumen lassen, dass ich den Berlin Marathon jemals laufen würde. Dazu noch mit so viel Freude. Ich war voller Dankbarkeit, dass es bei mir so gut gelaufen war, ich gesund war und diese tolle Chance hatte.
Der Rest ging irgendwie automatisch, trinken, rausgehen und endlich meinen Mann sehen. Ich war so froh und unglaublich dankbar, dass er die ganze Trainingszeit mit mir durchgestanden hat und mich immer unterstützt hat, egal wie komisch meine Laune war.
Wir setzten uns noch etwas vor die Videowand und tranken ein Bier, nachdem ich meine Urkunde abgeholt hatte und meine Medaille hatte gravieren lassen. Dort kam ich endlich etwas runter und stellte fest, dass der Berlin Marathon 2015 für mich jetzt Geschichte ist, Geschichte und Tatsache zugleich.

Andere Läufer anfeuern
Schick in Plastik
Wir gingen dann Richtung Hotel, wobei ich immer wieder die ankommenden Läufer anfeuerte.












Sonnenuntergang über dem Potsdamer Platz
Ein perfekter Tag geht zu Ende
Nach einer entspannten Dusche ließen wir den Tag mit einem schönen Abendessen mit Freunden aus Berlin ausklingen. Ein schöner Abend nach einem aufregenden Tag. Umso schöner war es, sie endlich mal wieder zu sehen.









Medaille 42. BMW Berlin Marathon 2015
Hübsch ist sie ;)
Ich schlief in dieser Nacht sehr gut, wurde jedoch vom unvermeidlichen Heißhunger geweckt. Ein Rest kalte Pizza und ein Schokohörnchen im Bett, dann war ich wieder besänftigt. 
Nun konnte ich alles sacken lassen und mich auf den Weg nach Hause machen. 
Mit vielen Erfahrungen, Geschichten und Gefühlen im Gepäck, die ich hier, hoffe ich, so gut wie möglich aufs "Papier" gebracht habe.

Mein Fazit 


Berlin war ein Lauf, wie für mich bis jetzt kein anderer. Die Stimmung macht süchtig. Ich wünschte, ich könnte dieses Gefühl weitergeben, sicher würden dann alle diese Erfahrung machen wollen. Gemeinsam und trotzdem mit sich selbst allein eintolle Zeit verbringen. Was will man mehr? 


Weitere meiner Laufberichte findet ihr unter:
http://laufspatz.blogspot.de/search/label/Laufberichte