Mittwoch, 29. Juli 2015

Buchrezension: Tiere Essen von Jonathan Safran Foer

Review Tiere Essen Jonathan Safran FoerAls ich mir vor etwa 7 Jahren Gedanken darum machte, ob es ok ist, Tiere zu verspeisen, obwohl ich Tiere wirklich dachte zu lieben, habe ich mir viele Fragen gestellt. Habe viel gelesen und viele Filme gesehen.
Dies brachte mich zu der Entscheidung, dass ich es nicht für mich als vertretbar erachte, Tiere zu essen. Diese Gedankengänge haben viele. Ein sehr Bekannter Vertreter ist der Autor Jonathan Safran Foer, der auch „Extrem laut und unglaublich nah“ schrieb. Sein Buch „Tiere Essen“ löste 2010 in Deutschland viel Wirbel aus.
Ich kam jetzt endlich mal dazu, es mir zu Gemüte zu führen.

Aufmachung



Review Tiere Essen Jonathan Safran FoerIch habe mir das Hörbuch als gekürzte Lesung reingezogen. Es umfasst in dieser Version 4 CDs mit einer Gesamtlänge von 269 Minuten. Meiner Meinung nach eine angenehme Länge, um einen Überblick über den Inhalt zu bekommen. Der Sprecher hat eine sanfte, gut über längere Zeit hörbare Stimme.
Einen Link zum Buch (mit Leseprobe) und zum Verlag Random House Audio findet ihr  hier.
Man muss jedoch daran denken, dass es ein Sachbuch ist: ein Handlungsstrang ist meist nicht recht zu erkennen, muss aber auch nicht. Es hört sich eher wie eine Sammlung aus Artikeln einer Autors zu einem Thema an, gespickt mit einigen Geschehnissen aus seinem Leben.

Der größte Vorteil am Format der Hörbücher für mich: man kann es beim
Laufen hören :)

Inhalt


Foer stammt aus einer jüdischen Familie, seine Oma hatte im Europa des 20. Jahrhunderts viel zu ertragen und musste, im Gegensatz zu vielen von uns, schon ECHTEN Hunger leiden. Dementsprechend sah auch ihre Beziehung und Wertschätzung bezüglich des Essens aus.
Der Autor selbst kennt nur ihre Geschichten und stellt sich, als er auf dem Weg ist, das erste Mal Vater zu werden, die Frage, welches Beispiel er seinem Sohn vorleben will. Denn das zwiegespaltene Verhältnis der meisten Menschen zu Tieren (den Hund streichelt man, aber Schweine essen wir...) ist ihm schon länger bewusst und er hatte zudem schon einige vegetarische Phasen in seinem Leben.
Also beginnt er die Arbeit an seinem Sachbuch und  erkundet die industrielle und auch die althergebrachte Art, Tiere für unseren Nutzen zu halten und unsere Beziehung zu Tieren.
Teils erschreckend, teils unglaublich anrührend und mit sehr vielen historischen und kulturgeschichtlichen Hintergründen gespickt schrieb er dieses Buch, was in keine Schublade so recht passen will, aber doch in viele einzuordnen ist.


Meine Meinung


Das Buch machte bei seinem Erscheinen große Wellen. Und ich bin sehr froh, es endlich, wenn auch nur in gekürzter Version, gehört zu haben. Es ist, und das finde ich super, relativ objektiv verfasst. Viele Bücher über vegetarische und vegane Ernährung sind mir oft einen Hauch zu, wie soll ich es sagen, aggressiv und verblendet geschrieben.
Ich mag Fakten und keine Beleidigungen und keine Todesvorhersagen gegenüber Fleischessern. Aus diesem Grund ist dieses Buch eins der überzeugendsten und gleichzeitig tolerantesten Bücher, das für eine pflanzliche Ernährung plädiert, die ich bis jetzt gelesen habe.


Fazit


Es ist ein Sachbuch. Wer eine persönliche Geschichte in allen Feinheiten erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Wer etwas über unser Verhältnis zu unserem Essen, die derzeitige und frühere Geschichte der Nutztierhaltung erfahren will, und auch vor unangenehmen Wahrheiten keine Angst hat, der ist hier richtig.
Der Hype um das Buch bei seinem Erscheinen war gerechtfertigt:
Man sollte es unbedingt mal gelesen oder gehört haben.