Freitag, 8. Mai 2015

Was isst der Spatz?


Vegetarisch, vegan oder was denn jetzt?


Spatzen sind eigentlich keine Vegetarier, ich aber schon ;).
Kurz gesagt: Ich esse überwiegend vegan und manchmal vegetarisch.

Ich bin damals, vor 5 Jahren, aus anfangs nur ethischen Gründen vegan geworden, die gesundheitlichen Aspekte entdeckte ich für mich erst danach...bessere Haut, weniger Bauchweh...

Zugegeben, es hat sich für mich vieles verbessert. Aber, ich könnte nicht mit Sicherheit versprechen, dass es das bei Jedem würde.

Warum nicht nur vegan?


Ich war fast 3 Jahre vegan mit wenigen vegetarischen Ausnahmen, welche ich an einer Hand abzählen kann. Mir ging es gesundheitlich gut, aber ich war oft auf Festen und in der Uni etwas einsam und, zugegeben, hungrig.
Nicht, weil man von veganer Ernährung hungrig ist, sondern, weil ich eben nicht zu den stets super gut vorbereiteten gehöre, die immer etwas veganes zum Essen dabei haben, wenn sie woanders sind und sich mit Hingabe jeden Morgen ein veganes Mittagessen vorbereiten.
Ich bewundere jeden, der das konstant durchhält. 
Ich schaffe es leider nicht dauerhaft, dafür  schlafe halt ganz gern länger...

Zudem ist es bei uns auf dem Land eben nicht so einfach ist, etwas veganes zu essen zu bekommen.
Viele Restaurants haben noch nicht mal vegetarische Gerichte auf der Karte, dafür muss man dann auch eine „Extrawurst“ verlangen und sich erklären, mit Gesprächen, wie:


"Ich bin Vegetarier, was können Sie mir denn da anbieten?" 
"Salat mit Pute?"
".....Nein, vegetarisch, also ohne Fleisch"
"Also Salat mit Garnelen?" 
".... Nein!!! Auch kein Fisch." 
"Aber Vegetarier essen doch Fisch!" oder alternativ "Dann können Sie ja garnichts essen"

Mit dem Ausdruck „VEEGAAAN???“ können die meisten dann noch weniger anfangen oder bieten einem Eisbergsalat ohne alles an. 
Kam mir manchmal vor, wie Shaun das Schaf beim Kohlfussball.

Also stellte ich für mich die entscheidende Frage: 
„Wie viel Zeit und Mühe will ich in die Beschaffung meines Essens Stecken?“ 

und

„Ist diese kleine Menge, die ich vegetarisch esse, angesichts der riesigen Mengen weggeworfenen Essens in Deutschland, diese Mühe wert, sie zugunsten von veganem zu ersetzten? Oder kann ich mit der Zeit sinnvolleres anfangen?“

Da begann ich dann, es für mich als ok anzusehen, auch mal ohne schlechtes Gewissen vegetarisch zu essen und die gesparte Zeit und die gesparten Nerven in andere, mir wichtigere Dinge zu investieren. 

Ist das denn moralisch ok?


Ich weiß, dass viele das wie ich tun und ich weiß aber auch, dass ich mich somit auf gar keinen Fall als Veganer bezeichnen darf, denn sonst trifft ein glühender Tofublitz. Somit erkläre ich es immer wie im ersten Satz 

Ich esse überwiegend vegan und manchmal vegetarisch.
( und alle sind völlig verwirrt).
Ich darf mich dann auch gern vor Fleischessern verteidigen, warum ich denn wieder vegetarisch esse, wenn ich erst vegan war... als könnte man nicht bei sich selbst anfangen, rum zu kritteln.
Schon klar, 100% vegan wäre besser für Mensch und Umwelt. Ich weiß, es gibt Veganer, die mich am liebsten mit einer Salatgurke verprügeln würden dafür, dass ich nicht 100% vegan bin.
Ich koche fast ausschließlich vegan zuhause und kaufe kein Leder, aber wenn ich essen gehe, esse ich oft vegetarisch, weil es einfach auf der Karte meist nichts veganes gibt.
Und ich möchte einfach, nachdem ich mir 5 Tage die Woche den Mund auf Arbeit fusselig geredet habe, auch mal Freitags beim Essen gehen nicht viel mit fremden Menschen diskutieren und mich nicht erklären.
Ich würde prinzipiell super gern auch auswärts vegan Essen, aber es ist einfach für mich persönlich nicht praktikabel in unserer Gegend.
Und ich gehe einfach gern mal mit meinem Mann essen, sorry, ist halt so!
Wenn wir mal in großen Städten sind, liebe ich es, dass es überall veganes Essen gibt.
Leider sind wir in unserer Gegend davon meilenweit entfernt, und das nicht nur räumlich.
Das ist nicht schön, aber es gibt bei weitem schlimmeres.

Ich verstehe nicht jeden und nicht jeder versteht mich...


Auch mich regt es auf, wenn mich die Leute behandeln, als würde es mir schlecht gehen, weil ich mir ja kein halbes Schwein reinziehen „darf“. 
„Darfst du das überhaupt essen?“ wird man wahrscheinlich als Vegetarier häufiger gefragt als in der Bahn nach dem Ticket.
Aber es ist so und die Menschen werden sich auch nicht so schnell ändern, wie wir es gerne hätten.
Ein aus diesem-Umfeld-heraushalten um ein nahezu 100% veganes Leben erreichen zu können bringt, meiner Meinung nach, für's große Ganze nicht viel.
Es bringt eher Unverständnis und Ablehnung durch andere („Boah, die is echt merkwürdig...“)
Da bringe ich lieber durch gutes Vorleben, Sport „trotz“ pflanzlicher Ernährung und leckerem Essen Menschen dazu, mal etwas zu probieren. 
Kleine Schritte bringen weiter, nicht nur beim Laufen. ;)

Und manche wollen auch nicht verstehen...


Ich habe mich damals aus ethischen Gründen (Tierhaltung u.a.) für die pflanzliche Ernährung entschieden. Das war mir damals so einleuchtend vorgekommen, ich wollte es allen erzählen, weil mir die Konsequenz daraus völlig logisch war.
Leider war das nur sehr wenigen um mich herum logisch, die meisten waren eher angenervt, weil ich ihnen, in ihren Augen „ihr Fleisch schlecht reden wollte“.
Keiner will sehen, wie ein Tier geschlachtet wird und wie Tiere in Tiertransporten leiden. Aber weniger Fleisch essen, oder zumindest ein Restaurant nicht mehr besuchen, was Stopfleber anbietet, das ist dann echt zu viel verlangt. Schmeckt doch so gut. 

"Und sonst wären die Tiere ja nicht aus Fleisch"...Wer etwas medizinisches studiert hat weiß aus dem Präpkurs, wie Menschenfleisch aussieht. Mehr muss ich dazu nicht sagen.


Wir machen halt ein schlechtes Gewissen, ob als Sportler oder als Vegetarier. Oder als beides.... und das mag ja keiner gern, wenn mann ehrlich ist. 

Mit fremden Wesen zurecht kommen


Ich versuche immer schön freundlich zu bleiben, auch wenn ich zum 20 000. Mal mit den folgenden, etwas anstrengenden Wesen zu tun habe :
zum Beispiel mit dem

  • Istdasnichteinseitig
  • dem WokriegstdudeinProteinher
  • dem Waskannmandenndanochessen
  • dem AuchkeineWurst,
  • dem WiekannstdusoSportmachen
  • und dem ganz neuen IchkönnteabernichtohnerichtigeNudelnLeben, was mit dem AttilaHildmannmachtdochnurNudelnausGemüse zusammen auftaucht. Danke Attila! ;) 

Ich erkläre mich und meine Ernährung dann höflich und hoffentlich, ohne mir anmerken zu lassen, dass sie mir nicht als erste diese Frage stellen. Aber ich stoße meist nicht auf Verständnis.
Viele hier können schon mit Vegetariern nicht anfangen, von Veganern ganz zu schweigen.


Ich belehre keinen und halte keine ungebetenen Vorträge am Essenstisch, aber manche fühlen sich schon bedrängt, wenn man nur am selben Tisch sitzt und beim Salat das Fleisch abbestellt. 
Da müssen sowohl diejenigen mit mir als Veggietier sozusagen, klarkommen, als auch ich mit ihnen und ihrer Meinung.
Daher sehe ich es als sinnvoller an, dass ich auch hier auf dem Dorf zum Beispiel mit anderen zusammen auswärts Essen gehe (außer ins Steakhaus oder Restaurants mit Stopfleber oder so...) und etwas halbwegs ansehnliches vegetarisches auf dem Teller habe.
Meiner Meinung nach, ist es gut, mit lecker aussehendem vegetarischen Essen in Restaurants 5 Leute zu weniger Fleischkonsum zu animieren.
Zumindest besser, als mit phantasielosem veganem „Reis mit Gemüse ohne Soße“  im Restaurant 5 Leute zu überzeugt, dass das nicht schmecken kann und eine Qual ist. 


Ich weiß, dass ich mit dieser Haltung nicht überall auf Verständnis stoße. Von welcher Seite auch immer. 
Für mich ist aber jeder, der auch nur einen Tag weniger Fleisch isst, ein Gewinn für die Welt. Perfektion ist einfach Utopie, eine schöne zwar, aber nichts bringende... . 
Und, nein , Utopie ist keine Sat1 Serie ;)

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen mit pflanzlicher Erklärung in der Provinz?