Samstag, 1. April 2017

Run till death? Wie professionell soll / muss / darf Hobbysport sein?

Talsperre Laufen Wasser SonneIch habe noch 1 Woche bis zum Hannover Marathon. Meinem ersten Marathon (wenn man Rodgau 50 außer Acht lässt) 2017. Das Training läuft recht gut, ich freue mich darauf und hoffe, dass endlich die 3h30min Grenze fällt. Ich trainiere derzeit mit einem Mygoal Plan. Dabei telefoniere ich jeden Monat mit meiner Trainerin. Was so anliegt, wann ich nicht da bin. 
Und gerade diesen Monat war ich 2 Mal für ein verlängertes Wochenende im Ausland und konnte nicht trainieren. Viele von euch hätten das vielleicht nicht gemacht. Ich schon. Das Training wurde darum herum geschlichtet und Zeit und Möglichkeiten, in z.B. Aserbaidschan zu laufen, waren eher begrenzt. Dabei hatte ich teilweise ein schlechtes Gewissen, wenn ich auf Instagram die Fotos der Trainingslager anderer Sportler gesehen habe. 
Muss ich das auch? Habe ich mich öfters gefragt. 
Bin ich komisch, wenn mir der Sport nicht über alles geht? Wenn ich ihn einfach an mein Leben anpasse?
Bach Laufen Wasser Sonne Longrun



Ich habe auf einem Aufkleber den Spruch "run till death" gelesen und über Prioritäten nachgedacht. 
Ok, ich habe mich hauptsächlich gefragt, ob ich komisch bin....
Vor einigen Jahren hörte man über Trainingslager nur von Profisportlern oder von Hobbysportvereinen, die ihr Fussballtrainingslager an den Stammtischen Mallorcas vollzogen. Heute habe ich das Gefühl, dass ich die einzige bin, die kein Trainingslager macht und bei der Urlaub einfach Urlaub mit gelegentlichen Läufen (wenn es die Zeit hergibt) ist.


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Ich habe immer wieder den Eindruck, dass man auch als Hobbysportler Urlaub nur noch  in Form von Trainingslagern macht.Die Hauptsache ist der Sport, alles andere wird darum herum gequetscht. Und oft genug bekomme ich ein schlechtes Gewissen. 

Könnte ich schneller sein, wenn ich mein Leben dem Sport mehr unterordne?
Möglich.
Ist es mir das wert?
Ein klares: Nein!

Denn sind wir mal ehrlich: Braucht man als Hobbysportler (also als Mensch, der kein Geld mit dem Sport verdient) Trainingslager in Kenia, Sportuhren für 500 Euro oder Laufschuhe für 250 Euro? Sicher nicht. Ist es schön, sich das trotzdem zu gönnen? Vermutlich schon :) . 

Laufen Sonne Thoni Mara ShirtZum "einnorden", was wirklich wichtig ist, macht es manchmal Sinn, sich mit älteren Sportler zu unterhalten.  Ich hatte letztes Jahr das Glück, einen sehr guten und sehr schnellen älteren Marathonläufer zu treffen (das bist du, lieber Volker :) ).
Seine Erzählungen, wie er zum Laufen kam und wie er früher das Training und Wettkämpfe trotz Job und Familie untergebracht hat, würden heute viele von uns abschrecken.  
Manchmal neigt man ja dazu, sich bei Laufveranstaltungen über die teils recht 'retro' wirkende Kleidung der älteren Semester zu wundern. Ohne GPS Uhr? Ohne Smartphone? Ohne Kompressionskleidung? Und was ist das für eine unbekannte Schuhmarke?


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Doch vielleicht konzentrieren wir uns dadurch mal auf das wesentliche, was man zum Laufen braucht: halbwegs gesunde Beine und Bock, sich zu bewegen. 
Ein Mindestmaß an Kleidung wäre hilfreich. Schuhe wer mag. Und das war es.  Der Rest sind nette Kleinigkeiten, die unterhaltsam sind, vielleicht die Motivation hoch halten. Aber nichts davon MUSS sein. Jeder so wie er mag, kann und mit seinen Prioritäten vereinbaren kann.


Bei mir....


Das wichtigste in meinem Leben wierden immer meine Familie und Freunde bleiben. Mein Urlaub ist Urlaub. Klar gehe ich da gelegentlich laufen. Aber die Hauptsache ist Zeit mit meinen Lieben. Neue Dinge sehen, auch faul im Cafe sitzen oder mal ein Bier trinken. Wettkampfgewicht? Ich bitte euch! 3 Trainingseiheiten am Tag? Nur, wenn man Beachvolleyball und Bingo mitzählt. Trainingslager mit anderen Läufern anstatt Zeit mit meinem Partner? Nie im Leben. 


Prioritäten....Die wichtigste Nacht vor einem Wettkampf ist die vorletzte...

Sunset running Erzgebirge Laufen Sonnenuntergang
Vor Rodgau50 (hier der Link)  habe ich die vorletzte Nacht viel zu wenig Schlaf bekommen, weil ein guter Freund seinen Abschied gefeiert hat.  

Würde ich es wieder so machen? 
Ja! Auch wenn Rodgau nicht gut gelaufen wäre.  Aber vielleicht war gerade dieser Abend, die gute Stimmung und die netten Gespräche das, was mich beflügelt hat und mir den Stress genommen hat. 
Als Gegenbeispiel: Vor dem Berlin Marathon letztes Jahr hatte ich alles nach Idealplan gemacht.Training-Schlaf-Essen. Alles, wie es im Buche steht. Wie es gelaufen ist, wissen die meisten von euch.... Sch... eben.  (hier der Link zum Laufbericht).

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Wir Hobbysportler haben den ganz großen Vorteil, dass es außer vielleicht unserem Ego nicht schlimm weh tut, wenn mal ein Wettkampf nicht so läuft oder wenn wir mal ein DNS oder DNF einlegen.  Das ist, wenn man mal ehrlich ist, nicht existenzbedrohend. 
Wettkämpfe kann man später meist nachholen. 

Was man nicht nachholen kann ist Zeit mit wichtigen Menschen. Jeder der jetzt den Kopf schüttelt, hatte vermutlich bisher das Glück, keine wichtigen Menschen verloren zu haben. Der Rest weiß, wovon ich rede.


Die Moral von der Geschicht?

Talsperre Erzgebirge Laufen Sonnenuntergang
Keine wirklich neue, was habt ihr von einem Laufblog erwartet?! ;) Nicht jedes Leben ist vergleichbar, jeder soll es so machen, wie er oder sie es für richtig hält. So viel Zeit, Geld, Mühe investieren, wie er oder sie kann und vor allem : will


Sind wir mal ganz ehrlich: nicht alle Mühen und Investitionen zahlen sich 1 zu 1 aus.  Auch wenn man alles genau so macht wie alle Laufkollegen, wirkt es vielleicht bei einem selbst nicht. Oder viel besser, wer weiß? Was auf jeden Fall beim Laufen hilft ist: Glücklich sein!

Für mich wird auch weiterhin dass Laufen und mein Blog ein sehr wichtiger Teil meines Lebens bleiben. Aber bei weitem nicht der wichtigste.
Run till death? Für mich einfach ein selten dämlicher Spruch von Menschen, die keinen Plan vom Leben haben. Sorry.

Was denkt ihr dazu? Welchen Stellenwert hat das Laufen und das Training für euch? 

Kommentare:

  1. Schöner Text. Ich sehe das genau so. Allerdings finde ich es auch mal toll, für eine begrenzte Zeit (fast) alles einem sportlichen Ziel unterzuordnen und total fokussiert zu sein. Aber wie gesagt: Nur für eine begrenzte Zeit.

    Zu Run 'til Death: Als ich das Shirt zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich auch: Was ein Blödsinn. Allerdings kann man es natürlich auch so interpretieren, dass man sein Leben lang laufen möchte. Aber mir ist die Botschaft auch zu platt. Das Motto muss doch sein: Laufen, solange ich Spaß dran habe.

    Viel Erfolg in Hannover. Die 3:30 packst Du doch locker!

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    1. Hi Sebastian!
      Ich kann das auch, eine gewisse Zeit verstärkt den Fokus darauf zu legen, allerdings sehr begrenzt ;). Ich finde gerade Ultratrainings schon sehr anspruchsvoll für das restliche Leben.
      Wobei vermutlich alle Marathonläufer für "Normalos" gesehen eine Macke haben ;).
      Danke, ich geb mir Mühe in Hannover ;)

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  2. Hallo Isabell,

    wie Recht du doch hast.

    Viele scheinen zu vergessen warum sie wahrscheinlich angefangen Sport zu treiben. Aus dem Verlangen Entspannung und Ausgleich zu finden, wird schnell ein weiterer Streßfaktor im Leben.
    Ab und an sollte man das überdenken, finde ich.

    Gruß
    Sascha

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    1. Hi Sascha! :)

      Genau wie du es sagst: man sollte sich einfach mal daran erinnern, warum man angefangen hat, Sport zu treiben.
      Ich habe über den Winter viel an meinem Spaß am Laufen wiedergefunden. Ich hatte das während meiner erfolglosen 3:30 Versuche letztes Jahr völlig aus den Augen verloren. Jetzt gehe ich es vom Kopf her deutlich entspannter an. Und das tut auch dem Körper gut ;).

      LG Isa

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  3. Hehe. Den Aufkleber habe ich auch auf dem Macbook kleben. Ich denke mal, dass gerade die Marke das Laufen sehr locker nimmt - zumindest transportiert mir der lässige Look eher Lockerheit, statt verbissener Wettkampf-Rumeiferei. Insofern sehe ich das mit dem Spruch nicht so eng.

    LG Martin

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    1. Hi Martin,

      ich hab schon auf Facebook gesehen, dass du einiges von denen hast. Ich habe mich mit der Marke noch nicht ausführlich beschäftigt. Habe leider bei solchen "bis zum Tod" usw Sprüchen eine ziemliche Allergie entwickelt. Ist vermutlich etwas übertrieben. Auch so ne "Lauf" Macke.

      LG Isa

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  4. Das hast du sehr gut geschrieben Isabell. Für mich ist Laufen immer noch Spaß an der Freude. Ich laufe für mich und nicht für andere. Ich nutze dabei beim Training meine Lauf-App im Handy und bei den WK-Läufen meine Garmin Forerunner 201, also eine ganz einfache Laufuhr. Mein Training besteht aus Läufen zu Hause, im Sommer ist es dabei öfter einfach der Weg vom Garten nach Hause. Und ja, auch bei mir gibt's ab und zu ein Bierchen oder Sektchen mit Freunde genauso wie auch mal Schokolade und Chips.
    Laufen und Sport ist und bleibt für mich einfach nur Hobby mit dem tollen Nebeneffekt, was für meine Gesundheit zu tun und oft dabei viele nette gleichgesinnte Menschen zu treffen. ☺
    LG Dany

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    1. Hi Dany,

      danke für deinen Kommentar. Deinen Spaß am Laufen kann man in deinen Facebookposts super nachempfinden. Gerade, dass du zusammen mit deinen Kindern läufst finde ich super :).
      Mach weiter so. Hoffe, wir laufen uns mal bei einem Wettkampf über den Weg.

      LG Isa

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  5. Ich habe gerade zum ersten mal so ein "Trainingslager" gemacht (mit Peter Greif in Andalusien). Eine schöne Erfahrung, und ich wollte diese Art von Urlaub nach 10 Jahren Laufen einfach mal ausprobieren. Aber auch ganz schön heftig, was Trainingsumfang und -intensität angeht. Die Gruppendynamik lässt einen Einheiten absolvieren, die man zu Hause jetzt nicht unbedingt machen würde. Das kann gut gehen oder auch nicht...

    Nächstes Jahr möchte ich auch Rodgau, den Rennsteiglauf und den New York Marathon laufen.

    Es gab aber auch schon Jahre, in denen ich bloß einen HM gelaufen bin. Einmal im Jahr fit genug sein, um einen HM problemlos laufen zu können, war damals das Ziel.

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    1. Hi Niklas,

      auch ein Halbmarathon ist für die meisten Menschen unvorstellbar weit. Die Grenzen verschieben sich mit dem Fitnesszustand recht schnell ;).
      Von der Sache her laufe ich total gern im Süden, aber familiär möchte ich ein solches Trainingslager derzeit nicht. Aber Respekt vor einem Greif Trainingslager. Ich wäre vermutlich bereits nach 2 Wochen Greif Training verletzt wo nur geht ;).

      LG Isa

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  6. Also mit 50 km und Marathons bist Du für mich schon jemand, der Sport sehr wichtig nimmt - jedenfalls im Gegensatz zu mir :-) Ich plane weder Marathons noch hatte ich je im Leben einen Trainingsplan. Bei mir steht der Spaß am Laufen im Vordergrund und so soll es auch bleiben. Bei mir ist zwar in der Tat jeder Urlaub mit Laufen verbunden, aber weil es Spaß macht und nicht weil ich trainieren muss. Neue Bestzeiten sind super, wenn sie einfach so passieren, aber trainieren werde ich deshalb nicht ... Ich bin einfach froh, dass ich laufen darf. Du hast also meine volle Zustimmung!

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    1. Liebe Manu,

      danke für deinen Kommentar. Ich bin immer total ehrfürchtig vor den vielen interessanten Wettkämpfen, die du läufst. Ich kann bei Wettkämpfen immer nicht so locker bleiben und es entspannt laufen. Vermutlich ein Überbleibsel des Sportunterrichts ;) . Darum wären so viele Wettkämpfe wie bei dir nichts für mich.
      Ich hoffe, wir sehen uns dieses Jahr mal bei nem Lauf! Würde mich / uns freuen ;)

      LG Isa

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  7. Für weniger Gedanken! ;)
    Natürlich ist mir der Sport wichtig. Natürlich mache ich auch hierbei Dinge, auch in einem Pensum, über die andere den Kopf schütteln. Aber ist das nicht jedem Hobby zu eigen? Ich laufe auch im Urlaub, aber einfach weil ich Bock drauf habe. Überhaupt laufe ich nur deswegen. Manche Dinge, ein gestecktes Ziel gehe ich auch mit einem gewissen Ernst an - sonst funktioniert es nicht. Will ich es erreichen, muss ich was dafür tun, oder ich lasse es. Wie aktuell 100 Km im Mai zu laufen, dafür nicht ein gewisses Mass an Km in den Beinen zu haben wäre fahrlässig. Wenn ich nicht die Lust oder Möglichkeit habe, das nötige Engagement aufzubringen, muss ich mir vielleicht ein anderes Ziel suchen.
    Ich glaube aber auch, es täuscht, wenn Dich das Gefühl beschleicht, Du bist die einzige, die gerade nicht in einem Trainingslager ist. Die Krux der sozialen Medien. Wer gerade in Kenia ist, hat was mitzuteilen, wer gerade einfach sein normales leben lebt, vielleicht weniger... ;)
    Was die Prioritäten angeht, ist mir Sport (wie schon gesagt) schon ziemlich wichtig. Aber genau so, wie meine Familie das berücksichtigt, plane ich meinen Sport mit Rücksicht auf das Familienleben. Rücksicht und Toleranz ist halt keine Einbahnstrasse. Berufsleben, Familienleben, eigene Freiräume - tatsächlich haben wir nur ein Leben. es ist nicht immer ganz leicht, aber mit ein bisschen bemühen klappt es ganz gut.
    Und zu "Run till death", einfach nicht zu ernst nehmen. Es ist imho einfach ein Ausdruck von Begeisterung und Enthusiasmus und einfach nur ein Spruch. Laissez faire... ;)

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    1. Hi Thomas!

      erstmal viel Glück für deine 100 Km im Mai. Reizt mich ja auch, aber gerade das Ultratraining ist mir im Moment zu zeitaufwändig. Ändert sich vielleicht irgendwann. Aber dieses Jahr wird es kein Ultra mehr.
      Du hast es super geschrieben, es kommt auch immer auf das Umfeld an. Und ich mache mir eh immer viel zu viele Gedanken, ich weiß...
      Vermutlich ist der Weg, den man selbst macht der Beste, egal, wie es andere machen... immer dieses Social Media ;)
      Hoffe, wir laufen bei Gelegenheit mal wieder was zusammen?

      LG Isa

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  8. Läufst Du dieses Jahr noch in Dresden? Wir sind beim OEM und Nachtlauf am Start. LG

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    1. Hi Manu,

      sorry für die späte Antwort. Hannover und der Geburtstag meiner Mutter hat mich ziemlich zeitlich in Beschlag genommen.
      Dresden ist dieses Jahr erstmal nicht geplant. Höchstens sehr spontan der HM beim OEM, aber erst mal sehen, wie die Regeneration läuft. ;)

      LG Isa

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  9. Laufen, Training, Sport allgemein,... all das nimmt einen sehr wichtigen Teil in meinem Leben ein, für den ich auch andere Dinge zurückstecke. Das Wichtigste ist aber neben dem Leben als solches mit der Familie, dass ich gesund bin und Spaß an all dem habe. Ist der nicht mehr da, hat das alles wenig Sinn für mich. Oder wenn man bereits einmal ernsthaft krank war, weiß man jeden einzelnen Lauf, jedes Training unglaublich zu schätzen. Trainingslager liebe ich und ja, dafür habe ich auch Urlaub. Aber das Training ist auch da einfach nur ein Teil des Lebens, zu dem so viel mehr gehört.

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    1. Hallo Din,

      Danke für deinen Kommentar :). Du hast vollkommen Recht, meine Familie und Gesundheit ist auch für mich das Wichtigste.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Trainingslager, wenn es mit dem restlichen Privatleben zusammen passt, man es mit dem Partner erlebt oder ähnliches, eine tolle Sache ist. Bei mir würde diese Zeit einfach von der Zeit abgehen, die ich mit meinen Lieben habe. Darum mache ich lieber alles wie gehabt und lese mir deine Berichte von Trainingslagern durch ;) .

      LG Isa

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